Frank und Christian, beide Mitte, Ende sechzig. Sie sind der Meinung, das Gröbste im Daseins hinter sich zu haben. Nun noch die Zielgerade des Lebens in Ruhe entlang schreiten und keine großen Wellen mehr machen.
Doch da bringt das unvorhersehbare Schicksal plötzlich einen kleiner Zettel, mit zwei Zahlenreihen, ins Spiel und schon nimmt das Leben noch einmal volle Fahrt auf.


Leseprobe:

Die Enttäuschung ist groß und sie steht jedem von uns ins Gesicht geschrieben. Keiner sagt etwas. Jeder schaut nur ab und zu auf die geöffneten Kisten und versucht damit klar zu kommen. So vergehen einige Minuten. Dann setzt Sergei als Erster zum Sprechen an.
"Altes Geld, nur altes Geld und Papier. Warum? Was glaubte dieser Franz, wie lange so altes Geld was wert ist."
Dann flucht er auf Russisch und Deutsch was das Zeug hält.
"Dafür habe ich mein Leben riskiert, bin hierher gefahren und habe dafür mein letztes Geld verbraucht."
Er setzt sich auf eine dieser Kisten und legt den Kopf in seine beiden Hände. Es wird schwer werden Sergei zu trösten. Für ihn ist dies ein existentielles Desaster. Für uns nur das enttäuschende Ende eines kleinen Abenteuers.
Ich bin sicher, auch Mike wird darüber nachdenken und vielleicht nach Auswegen suchen. So ein junger, dynamischer, hoch qualifizierter Akademiker sieht da vielleicht ein paar Chancen mehr, als so ein armer Rentner, hoffe ich. Aber vielleicht auch nicht?
"Sergei, es tut mir leid.", Mike hebt seinen Kopf und blickt zu Sergei, "Wir werden uns noch einmal in aller Ruhe über deine Situation unterhalten. Vielleicht finden wir eine andere Lösung."
Wow, man soll nicht zu schnell urteilen. Christian, bleibe unvoreingenommen. Wie es scheint ist Mitgefühl vorhanden. Aber wie es konkret aussehen wird, da habe ich keine Ahnung. Mike wahrscheinlich auch nicht. Sagen kann man viel. Wir beide, Frank und ich, wir haben kein Geld. Kann ja sein, Mike verfügt über Reserven, die er als Darlehen zur Verfügung stellen kann. Wäre schön.
Mike steht auch auf und geht zu den geöffneten Kisten, mit dem teils verschimmelten Papiergeld darin.
"Was soll das für eine Aktion gewesen sein? Selbst wenn das keine Blüten sind, aber wahrscheinlich sind es Blüten, was glaubte man damit noch anstellen zu können, mit ein paar alten Pfund Sterling? Soviel ich weiß, hat die Bank von England bereits kurz nach dem Krieg neue Banknoten heraus gebracht. Das hier ist einfach nichts, nothing, niente, nada!" Mike schüttelt seinen Kopf.
"Ja, das erscheint auch mir ziemlich absurd.", sage ich und hebe meine Schultern. Sergei, bei dem die Enttäuschung in Wut umzuschlagen droht, steht auf und geht zu dem Stapel Kisten.
"Jetzt will ich wissen, was in jeder einzelnen Kiste ist. Einfach so, um mich abzureagieren." Er beginnt die bereits geöffneten Kisten vom Stapel herunter zu räumen.
"Ja gut, schauen wir nach. Vielleicht finden wir noch ein paar alte Dollars. Als Spielgeld könnte damit Kindern eine Freude bereitet werden." Mike blubbert spöttisch mit den Lippen, geht aber zu Sergei und hilft ihm. Ich schließe mich an. Nach eine halben Stunde sind alle Kisten geöffnet. Nur Papier und alte Pfund Sterling Noten. Natürlich hatte jeder von uns noch eine kleine Resthoffnung. Nun ist auch diese zerplatzt.
"Ich könnte das ganze Zeug in die Luft sprengen." Sergei nimmt einen Stein und wirft ihn auf die Kisten. Er prallt ab und fällt auf die Fläche, wo bisher die Kisten standen. Der Aufprall des Steines klingt hohl. In unseren Sinnen klingelt daraufhin synchron Alarm.
"Das klingt nicht wie felsiger Untergrund." Mike springt auf und läuft an die besagte Stelle, dann Sergei und auch ich, wieder altersbedingt als Letzter. Wir knien auf der Erde und kratzen mit den Händen den Dreck weg, als würden wir in der Wüste nach Wasser graben, kurz vor dem Verdursten. Nur wenige Augenblicke und unsere Hände stoßen auf ebene Flächen und dann auf eine Art Ölpapier. Sergeis Augen beginnen wieder zu glänzen. Wir kratzen und graben wie von Sinnen. Da ist was! Etwas, was auf uns wartet.


Das literarische Abenteuer hat 460 Seiten und führt bis nach Baschkordostan.
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